Bei fremdsprachigen Kindern im Kindergarten stelle ich immer wieder Sprachblockaden fest. Wer hat hier gute Erfahrungen mit geeigneten und erfolgreichen Interventionsmöglichkeiten gemacht?
Liebe Forumsteilnehmerin
Danke für Deine interessante Frage, die sicher manch andere Kollegin auch beschäftigt. Du fragst nach geeigneten und erfolgreichen Interventionsmöglichkeiten bei Sprachblockaden von fremdsprachigen Kindern.
Ich gehe davon aus, dass du unter Sprachblockade, „nicht deutsch sprechen“ oder „fast kein deutsch sprechen“ verstehst und dass du vor allem an Kinder denkst mit einem Migrationshintergrund, die im Kindergarten Deutsch als Zweitsprache lernen.
Bevor ich zu möglichen Interventionen komme, scheint es mir wichtig zu überlegen, welche Gründe zu einem solchen Verhalten führen könnten. Die Faktoren, die den Zweitspracherwerb beeinflussen sind sehr vielfältig. Ich wiederhole hier eine Reihe von Fragen dazu, die zu einer individuellen Standortbestimmung eines Kindes führen können.
• Persönliche Faktoren
Ist das Kind eher scheu, zurückhaltend oder offen, spontan? Ist es das erstgeborene oder hat es ältere Geschwister? Wie kann das Kind seine Bedürfnisse ausdrücken?
• Soziale Faktoren
Fühlt sich das Kind wohl im KG? Fühlt es sich akzeptiert? Spielt es alleine? Spielt es mit andern Kin-dern? Hat es Kinder mit denen es sich in seiner Erst- bzw. Muttersprache unterhalten kann? Spricht es mit den andern Kindern in seiner Erstsprache oder Deutsch? Hat es schon Erfahrungen mit andern, gleichaltrigen Kindern gemacht? Hat es bspw. eine Spielgruppe besucht?
• Bildungsbiographie und Elternhaus
Kommt das Kind aus einem bildungsfernen oder bildungsnahen Elternhaus? Ist das Kind hier geboren? Ist die Familie neu zugezogen? Woher? Wie ist seine Sprachkompetenz in der Erstsprache? Hat die Familie die Absicht in der CH zu bleiben oder plant sie früher oder später in das Herkunftsland zurück zukehren? Sprechen die Eltern Deutsch? Ist es ihnen wichtig, dass ihr Kind Deutsch lernt?
Die folgenden Möglichkeiten von Interventionen haben sich in der Praxis bewährt und sind dir sicher auch nicht fremd. Der Faktor Zeit scheint mir in der folgenden Zusammenstellung eigentlich der Wichtigste zu sein.
• Kinder brauchen Zeit, um sich in die neue Sprache „Hineinzuhören“
Oft stehen wir als Lehrpersonen unter Druck und werden dadurch auch ungeduldig. Zu wissen, dass der Zweitspracherwerb seine Zeit braucht und nach zwei Jahren KG noch lange nicht abgeschlossen ist, finde ich für mich als Lehrperson sehr entlastend! Das „Hineinhören“ dauert bei den einzelnen Kindern unterschiedlich lang: bei einigen bis zu 1/2 Jahr und mehr, andere „plappern“ von Beginn weg. Aufmerksames Zuhören und Beobachten kennzeichnen diese Phase. Sie ist für die Kinder zentral und nicht zu unterschätzen.
• Singen ist auch Sprechen und kann Blockaden lösen
Beim Singen in der Gruppe bin ich „dabei“ und muss mich nicht exponieren. Musik weckt Gefühle. Nonverbale Spiele, Verse, Nonsensverse etc. können Kinder ermuntern Sprache auch selber zu produzieren.
• Kinder lernen von andern Kindern
Gleichaltrige Kinder sind einander oft näher als dass ich dies als Lehrperson je sein kann. Bewährte Methoden wie das Gotte-Götti-System oder das Delegieren von Aufträgen an Kinder, die dann die Rolle der Lehrperson übernehmen, können grosse Wirkung erzielen. Die grösste Motivation eine andere Sprache zu lernen ist das „Dazugehören-Wollen“.
• Sprechen und Erzählen mittels einer Handpuppe
Eine Hand- oder Fingerpuppe kann eine Brücke schlagen zu den Kindern und so eine Blockade lösen. Kinder, die sich nicht getrauen zu sprechen, können auch mittels einer eigenen Fingerpuppe über die Puppe zum Sprechen angeregt werden.
• Austausch mit den Eltern
Im Gespräch mit den Eltern erfahre ich Wesentliches über ein Kind, seine Entwicklung und die Situation der Familie. Diese Infos können mir helfen die Schwierigkeiten eines Kindes besser einzuordnen.
Ich freue mich, wieder von dir zu hören.
Mit vielen Grüssen
Frühling