Beurteilung von Nicht-Muttersprachlern

Liebe Community,

mich würde interessieren, wie ihr das handhabt:

Jemand ist nicht Muttersprache Deutsch bei euch in der Klasse und ihr habt eine Vorlesenote geplant. Wie geht ihr mit diesem Schüler um? Genau gleich wie mit allen anderen oder eher individuelle Massstäbe? In meinem Fall spricht er gut bis sehr gut Deutsch aber halt nicht Muttersprache-Niveau, was sich beim Vorlesen durchaus bemerkbar macht.

Danke für eure Anregungen und Kommentare im Voraus!

Liebe Grüsse

Liebe Yela1995

Wirf mal einen Blick auf mein Bewertungsraster.
Ich würde DaZ-Kindern in der Kategorie „Betonung“ einen Bonus geben, da ein sinnvolles/Sinn stiftendes Betonen etwas schwieriger ist als bloßes Vorlesen.

Wie denkst du darüber?

Freundliche Grüsse
Philipp

Danke Philipp für deine schnelle Rückmeldung.

Erstmal bin ich froh um jeden Input, den ich hier erhalten kann. Ich finde deine Gedanken sehr schlüssig und sie finden garantiert Beachtung beim nächsten Mal!
Danke auch für das beigefügte Bild - super!

Danke dir und beste Grüsse

Liebe Yela

Danke für deine spannende Frage zur summativen Beurteilung beim Lesen, die viele Facetten beinhaltet.

In jedem Förder- und Beurteilungskreislauf steht zunächst mal eine formative Beurteilung als Ausgangspunkt. Wie sieht es mit der Leseflüssigkeit des Kindes aus? Dazu gehört die Automatisierung, die Lesegeschwindigkeit, die Lesegenauigkeit und das sinngemässe Betonen. Das sinngemässe Betonen beinhaltet die Betonung auf Wort- wie auch aus Satzebene (Satzzeichen). Auf Letzteres kann der Erwerb von Deutsch als Zweitsprache einen Einfluss haben, denn diese Kompetenz bedingt ein Verständnis des Gelesenen und Kenntnisse des entsprechenden Wortschatzes.

Nachdem du differenzierter beurteilen kannst, welche Teilkompetenzen bereits gut ausgebildet sind und welche nicht, können entsprechende Fördermassnahmen eingeleitet werden. Die verschiedenen Aspekte der Leseflüssigkeit können zum Beispiel mit Lautleseverfahren geübt werden. Auf der folgenden Seite findest du Ideen dazu: Lautleseverfahren | PHBern. Besonders geeignet sind Tandemleseverfahren. Schüler*innen, die mit den Betonungen noch Mühe haben, können sich dabei an jenen orientieren, die dies bereits gut können.

Für eine summative Beurteilung des Vorlesens kann die Übungsphase ebenfalls mit solchen Verfahren eingeleitet werden. Die Kompetenz im Lehrplan und somit auch die Grundlage für die summative Beurteilung ist das Vorlesen eines geübten Textes (vgl. Lehrplan 21). Beim Üben kannst du alle Möglichkeiten der inneren Differenzierung ausschöpfen. Eine zusätzliche Förderung kann zum Beispiel durch eine am Text orientierte Wortschatzarbeit geschehen, um die Grundlage fürs Verständnis zu schaffen. Als Kriterien für die summative Beurteilung eignen sich die oben erwähnten Aspekte zur Leseflüssigkeit. Mit einer gezielten Vorbereitung sollte die Ausgangslage mit Deutsch als Zweitsprache keine Rolle mehr spielen.

Anders sieht es aus, wenn das Kind erst seit Kurzem Deutsch als Zweitsprache lernt bzw. die Unterrichtssprache noch nicht gut ausgebildet ist. Dann sind in Absprache mit der Schulleitung Ausgleichsmassnahmen zu definieren, um von der Direktionsverordnung über die Beurteilung und Schullaufbahnentscheide in der Volksschule (DVBS) abzuweichen. Weitere Informationen dazu findest du hier: Abweichen von der DVBS.

Liebe Grüsse

Novodu

PS: Wenn du dich zum Thema Leseförderung vertiefen möchtest, findest du unter folgendem Link verschiedene Kursangebote zu diesem Thema: Weiterbildungssuche | PHBern

1 „Gefällt mir“

Liebe Novodu,

ganz herzlichen Dank für deine fundierte und ausführliche Rückmeldung! Du hast mir einiges an Klarheit gebracht. Auch die Links schaue ich mir sehr gerne noch genauer an.

Beste Grüsse

1 „Gefällt mir“