Liebes Forum
Wie gehe ich möglichst konstruktiv und professionell damit um, wenn Jungs je nach Gruppenzusammensetzung, irgendeine Sendung aus den Medien – z.B. Wrestling – mit Waffen und Gewalt als Ideengeber für ihr Spiel brauchen, Szenen nachspielen, herumrennen, kämpfen und dann oft die Grenzen überschreiten, wo es andern wehtut. Mir als Frau ist es zuwider, denn ich bin Waffen und Gewalt gegenüber sehr negativ eingestellt und ich müsste mich da gegen meine Überzeugungen verhalten. Können diese Jungs wirklich Medienwelt und Realität auseinander halten, wie es manche Fachleute vertreten? Wie gut?
Besten Dank für gute Tipps.
Liebe Forumnutzerin
Sie stellen ein spannendes Thema ins Forum und möchten drei Fragen beantwortet haben: Haben Medien Auswirkungen auf das Gewaltverhalten der Schülerinnen und Schüler? Wie gehen Frauen mit dem Waffenspieltrieb der Jungs um? Und wie kann konstruktiv mit dieser Art Spiel, und vor allem mit dem Überborden, umgegangen werden?
Über die erste Frage streiten sich sogar Fachleute. Es gibt Bücher, die belegen, dass Medien einen grossen Einfluss auf das Freizeitverhalten der Kinder haben. Im gleichen Regal stehen Studienberichte, die das Gegenteil belegen.
Unumstritten hingegen ist, dass Jungs schon von klein an fasziniert sind von Waffen, vom Militär, vom Kämpfen. Der Aspekt des Sich-messen-Wollens ist ein archetypisch männliches Verhalten. Deshalb auch ist es naheliegend, dass eine Frau mehr tun muss, um Verständnis für dieses Verhalten zu finden. Männer können meist auf ihre eigene „Kampf-Karriere“ zurückschauen und das Verhalten der Jungs besser einordnen.
Mir ist wichtig, vor allem auf den dritten Punkt einzugehen: Wie geht eine Lehrperson konstruktiv und professionell mit nachgespielten Gewaltszenen um?
Wichtig ist, dass die Lehrperson zuerst zu einem inneren JA zu diesem Kampfverhalten der Jungs kommen kann. Sich dagegen zu wehren nützt nichts, die Gene, die elterliche Erziehung und der Einfluss des Freizeitverhaltens sind stärker. Als zweiter Schritt geht es darum, mit den beteiligten Schülern Regeln zu besprechen. Wann und wo dürfen diese Szenen in welcher Form gespielt werden? Welches Zeichen gilt als ultimatives Stoppsignal? Wie kann ein Schüler NEIN zum Mitmachen sagen? Wo setzt die Lehrperson klare Grenzen?
Sicher ist es auch wichtig, mit den Kindern über dieses Thema zu sprechen. Im Kindergarten gibt es Bilderbücher dazu, in der Oberstufe finden sich andere Medien, um das Bewusstsein über die Auswirkung von Gewalt nachzudenken.
Das sind nur einige wenige Gedanken von mir. Ich bin gespannt, was bei ihnen davon anklingen wird.
Schön fände ich auch, wenn andere Forumnutzerinnen und –nutzer über ihre Erfahrungen schreiben würden.
Ich wünsche Ihnen einen guten Umgang mit diesem Thema und grüsse sie freundlich
Kashgar