Lieber Saturn
Ich melde mich so spät, weil es anfangs Probleme mit meinem Zugang zum Forum gab und ich dann anschliessend eine Woche ohne Internet war.
Beurteilen sollte man das, was vorher gelernt, geübt, erarbeitet wurde. Schülerinnen und Schüler sollen eine Einschätzung hinsichtlich ihres Lernerfolgs erhalten. Bezugspunkte sind dann, wie schon hier erwähnt, Kriterien, die sich auf die konkrete Lernsituation beziehen.
Ich mache ein Beispiel: Sagen wir mal, du arbeitest an Kompetenzen, die wichtig für Präsentationen sind. Jetzt ist es entscheidend, wie du die Lernsituation gestaltet, welche Teilaufträge du gibst, in welcher Form du die Lernenden begleitest und unterstützt.
Hier entschiedest du auch, welche Schwerpunkte du setzt, welche sprachliche Übungen du einbaust, an welchen Strategien du arbeitest,… (Recherche, thematischer Bezug, Aufbau und Struktur eines Referats, Umgang mit Materialien und Medien, Wortschatz, passende Begriffe, „Sach“wissen, Auftreten, Stimmführung, Artikulation nonverbale und paraverbale Sprache, Adressatenorientierung, Kommunikation, auf Fragen antworten können etc.) Je nach Auswahl und Vorgehen werden passende Kriterien abgeleitet, die den SuS bekannt sind und als Orientierungspunkte während der Erarbeitungsphase dienen können.
Bei der abschliessenden Bewertung können die einzelnen Kriterien operationalisiert werden (z.B. 1 Punkt = kaum erkennbar, wenig ausgeprägt / 2 Punkte = nicht konstant vorhanden, gute Ansätze / 3 Punkte = meistens vorhanden, ausgeprägt). Wenn du so arbeitest, brauchst du auch nicht jedes Mal einen ausführlichen Kommentar zu schreiben.
Noch kurz etwas zum «strengen Massstab» und zum Reklamieren der SuS:
Wenn du viele Kriterien hast (etwa 10), ist die Bewertung differenzierter und es ist einfacher Punktebereiche zu definieren, die auf ungenügende, genügende, gute und sehr gute Leistungen hinweisen. Wenn SuS Fragen haben, kann man über die spezifischen Kriterien sprechen.
Wenn du den Eindruck hast, dass andere Lehrpersonen strenger bewerten, würde ich zu einem Austausch raten (z.B. in der Fachgruppe): Wie geht man vor , wenn ein Referat thematisiert wird? Wie sehen die Teilaufträge aus? Welche Schwerpunkte werden gesetzt? Welche Kriterien wurden festgelegt? Weshalb? Worauf beziehen sich genügende Leistungen? Werden individuelle Lernfortschritte miteinbezogen?
Folgende Unterrichtsbausteine können helfen, Diskussionen rund um Noten zu entlasten: Standortbestimmungen während des Lernprozesses (formative Einschätzungen; Peer-Feedbacks; Selbsteinschätzungen) - immer auf die relevanten Kriterien bezogen / Referate aufnehmen / Selbstbeurteilung unmittelbar nach dem Referat / Lehrpersonen-Kommentar zum Endprodukt mündlich in Einzelgesprächen.
Ich hänge zwei Kriterienlisten an. Die erste kann während des Lernprozesses eingesetzt werden. Hier geht es primär um Selbsteinschätzung hinsichtlich Auftrittskompetenz. Ein mehrmaliger Einsatz würde allenfalls einen Einblick in Lernfortschritte / Entwicklungen geben. Die zweite Liste wurde bei der summativen Beurteilung eines Referats (einen Beruf präsentieren) verwendet.
Beste Grüsse!
Apostroph