Computerbasierte Beurteilungen

Hallo allerseits,

ich unterrichte u.a. Englisch auf Stufe S1 und möchte die epischen Korrektursessions reduzieren. Bei Tests, bei denen die SuS nur zwischen „have got“ und „has got“ u.ä. wählen müssen, erscheint mir eine automatische Korrektur sinnvoll und legitim.

Ich habe zwar Tools gefunden, mit denen ich gute, vielseitige Tests erstellen kann (z.B.b udutu und hot potato). Die meistens sind jedoch auf Selbsttests ausgerichtet. D.h. die SuS erhalten während oder am Ende der Tests ein Feedback. Ich möchte aber, dass die SuS die Tests an mich schicken und die Software die Tests dann korrigiert und bewertet. So müsste ich nur noch drüberschauen und die Noten eintragen. Notabene; nur bei Inhalten, die sich dafür eignen! Interessant wäre auch eine Analyse, welche Aufgaben den SuS Mühe bereiten.

Die Software sollte das können:

  • Ich möchte Test zusammenstellen, bei denen die Antworten eindeutig falsch oder richtig sind. Frageformen können also bspw. multiple choice, Zuordnung oder Reihenfolge sein.
  • Die Software soll die Tests nach meinen Vorgaben bepunkten und benoten.
  • Die Durchführung des Tests (einloggen, ausfüllen, abschliessen und speichern/abschicken) sollte einfach sein und kaum technische Hürden aufweisen.
  • Es muss nicht unbedingt opensource/freeware sein, es darf auch kosten.

Ich freue mich über Hinweise zu solchen Tools! Eigentlich ist das ja eine Aufgabe, die sich Millionen von Lehrerinnen und Lehrern stellt, das Korrigieren von Standardaufgaben. Ich bin überrascht, dass ich noch keine Lösung gefunden habe.
Vielen Dank für Eure Hilfe!
Andreas Blocker

PS: Hier habe ich viele Anregungen gefunden…

Lieber AdiBlo
So wie Sie Ihre Bedürfnisse schildern, suchen Sie nach einem klassischen LMS (Learning Management System). Diese bieten Ihnen umfangreiche Möglichkeiten, den Unterricht basierend auf e-Learning zu gestalten.

Bekannte Beispiele für LMS sind ILIAS und Moodle. Beide sind meines Wissens auf der Volksschulstufe noch nicht sehr verbreitet, werden aber im Bereich Sek 2 und in den Hochschulen verwendet.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!

Freundliche Grüsse
Benutzer7

Lieber AdiBlo
vielleicht lohnt sich auch ein Blick auf Edmodo (www.edmodo.com).
Edmodo ähnelt auf den ersten Blick Facebook und ist somit recht intuitiv zu bedienen. Es kann als soziales Lernnetzwerk für Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler und Eltern genutzt werden.
Eine Google-Suche liefert viele nützliche Links und Tutorials auf Deutsch.
Hier drei Beispiele:
Überblick und Werkzeuge (Pädagogische Hochschule Steiermark)
Edmodo-Anleitungen-Beispiele-Hilfe-Deutsch (Heiko Idensen)
Edmodo als schulische Lernumgebung? (Uwe Klemm)

Liebe Grüsse und viel Erfolg!
gamberoblu

@Benutzer7:
Vielen Dank für Ihren Beitrag!
Ich kenne ILIAS noch aus meiner eigenen Studienzeit. So weit ich mich erinnere, ist es eher auf online-Lernen ausgerichtet. Hat es auch eine Bepunktungs-/Benotungsfunktion?
Ausser habe ich ILIAS als ziemlich komplex in Erinnerung. Für meinen Anwendungsbereich könnte es overload für die SuS sein. Ich müsste es länger einführen, um es überhaupt einsetzen zu können.

Ich suche eine Lösung, die auf Seite der SuS möglichst einfach ist. Es ist problematisch, wenn SuS wegen Schwierigkeiten mit der Prüfungssoftware weniger Punkte erreichen, egal ob sie die Prüfungssoftware nicht beherrschen oder es ihnen nicht gelingt, den abgeschlossenen Test an die Lehrkraft zu schicken. Bei meinen bisherigen Versuchen mit elektronische Prüfungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Prüfungsverfahren „idiotensicher“ sein muss.

Ich stelle mir den Prüfungsablauf so vor:

  1. Die SuS erhalten einen kurzen Link zur Prüfung. Eventuell kann die Lehrperson das Programm oder die Website direkt auf ihre Bildschirme öffnen.
  2. Die SuS bearbeiten die Prüfung in einer möglichst einfachen Maske. D.h. sie müssen sich nicht durch irgendwelche Menüs hangeln, um zur Prüfung zu gelangen. Es hat nur wesentliche Elemente wie Prüfungsübersicht, vorwärts/rückwärts, Textfelder, verbleibende Zeit etc.
  3. Die SuS schicken ihre Prüfung an die Lehrperson. Idealerweise per „Senden“-Button, da beim Anhängen von Prüfungsdateien und beim Eintippen von Emailadressen gerne Fehler geschehen.
  4. Die Lehrperson erhält die Prüfungen der SuS idealerweise in einem einzigen PDF. Jede Prüfung ist eindeutig einem Schüler zuordnungsbar. Die Prüfungen sind durch die Software bereits bepunktet und/oder vorkorrigiert.

@gamberoblu:
Auch Ihnen danke ich für Ihren Beitrag!
Ich werd’ mir edmodo anschauen und melde mich dann wieder.

Gruss,
Andreas Blocker

Obwohl der thread schon einige Jahre auf dem Buckel hat, möchte ich mir selber Antwort geben. Ich finde nämlich, dass das Thema viele Lehrkräfte betrifft.

Ich habe die meisten der Vorschläge hier aus diesem Forum und auch noch andere ausprobiert. Manche Plattformen sind umständlich zu bedienen oder sind vom Funktionsumfang „zu gross“ (me z.B. Ilias). Edmodo sieht ganz nett aus, hat aber nicht die gewünschten Testfunktionen. Andere, pro­fes­si­o­nelle Tools, sind zu teuer. Das oft genannte hotpotatoe hat mir auch nicht gepasst, obwohl einfach.

Mehrheitlich überzeugt hat mich bisher nur eine Plattform: test7.de
Hier kann tatsächlich Tests erstellen, die am Schluss automatisch ausgewertet werden. Das ist natürlich ein riesiger Zeitgewinn!__**
Dazu ein paar Bemerkungen:

  • Die Plattform ist relativ günstig: 100/300 Euro
  • Die Tests müssen quasi „programmiert“ werden. Das braucht etwas Einarbeitungszeit.
  • Es sind viele Frageformen möglich. Man muss aber die Art, wie man Tests konzeptualisiert, überdenken. Oft muss man Fragen anders formulieren. Grundsätzlich kann man nicht alles mit Test7 testen. Es läuft oft auf geschlossene Fragen, multiple choice etc. hinaus. Dennoch sind hier gute und sinnvolle Varianten möglich. Bspw. bei einem Textverständnis bei dem Aussagen „wahr“, „falsch“ oder „aus dem Text nicht ersichtlich“ sind, sehe ich keinen zusätzlichen Nutzen, wenn da ein Mensch korrigiert. Anders sieht’s natürlich bei „Erkläre“-Aufgaben aus. Solche kann man aber bspw. mit multiple choice nachbilden; 3-4 Antworten, die sinnvoll klingen. Aber nur 1 ist richtig. Das ist dann wiederum automatisch korrigierbar. Jeder muss selbst abwägen, inwiefern Arbeitsaufwand und didaktischer Nutzen einander überwiegen.
  • Es gibt einen Aufgabenpool und ein Test A/Test B- Schema. Damit kann man mit wenig Aufwand Tests recyclen bzw. Abschreiben erschweren.
  • Der Ablauf des Testes ist ziemlich schülerfreundlich. 2-3 Üben genügt, dann sollten keine Schwierigkeiten mehr auftauchen. In meiner Klasse gab es zwar etwas Gegenwind, auch seitens weniger Eltern. Dass hat aber me nur bedingt mit der Testform zu tun.
  • Die SuS können ihre korrigierten Resultate online anschauen.
  • Die Noten sind vorläufig im deutschen Format (1= beste Note). Das Resultat wird zusätzlich in % ausgegeben, eine Umrechnung ins schweizerische Format ist also einfach. Der Entwickler, der übrigens sehr zügig auf Anfragen antwortet, hat angedeutet, das schweizerische Format demnächst zu integrieren.

Unter dem Strich halte ich die Plattform für didaktisch sinnvoll und arbeitsökonomisch zeitsparend. Richtig Zeit spart man allerdings erst, wenn man die Plattform einigermassen regelmässig nutzt. Die Einarbeitung der Lehrperson und die Gewöhnung der SuS brauchen auch Zeit.

Gruss,
AdiBlo

Was ich noch vergessen habe; die Plattform ist browserbasiert, läuft also mit Win oder Mac.

Bin eben in Bildung Schweiz (5/2017) auf folgenden Artikel gestossen:
Vom Computer geprüft
Es tönt verlockend: am Computer testen, per Knopfdruck korrigieren. Was
bewirken Konzepte für digitale Prüfungen und E-Assessments in der
Volksschule?
Artikel im Anhang.

Danke für Ihren Beitrag. Es freut mich, doch noch auf Resonanz zu stossen; wie bereits geschrieben, ist das oft langweilige Korrigieren ja eine Aufgabe, die viele LK betrifft.

Den Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Entscheidend halte ich folgende Stelle: „Er betont, dass sich mit isTest alle Lernziele und Taxonomiestufen prüfen liessen, hierfür sei die Fragestellung und nicht die Technik entscheidend.“ (Zitat Adrian Albisser). Das entkräftet so manches Vorurteil. z.B. Dass die Kreativität der SuS eingeschränkt werden würde. Oder dass durch multiple choice ein Raten statt ein Verstehen geübt wird.
Entscheidend ist, genau wie bei Papiertests, die Fragestellung.

Übrigens; die freigewordene Zeit nutze ich bspw. um jedem SuS ein ausführliches, individuelles Feedback zum Berufswahltagebuch zu geben. Das kann nämlich eine Software tatsächlich nicht.

Der Entwickler von test7.de hat zu diesen Fragen ein Video online: www.youtube.com/watch?v=KQnmf9tlskc&feature=youtu.be&ab_channel=Mathegym

Gruss,
AdiBlo

Selbst nach ein paar Jährchen ist der Thread noch hoch interessant.
Vielen Dank dafür und auch danke für den Link @AdiBlo

Ich wünsche ein schönes Wochenende und viele Grüße

Ich bin weiterhin dran an diesem Thema und habe mittlerweile Erfahrungen mit MS Forms gesammelt.
Bei Interesse teile ich diese Erfahrungen gerne.

Inzwischen lassen sich wohl mit allen gängigen Online-Lernsystemen auch automatisch korrigierte und beurteilte Tests durchführen. Aus meiner Sicht passen diese jedoch nur bedingt zu einem Lehrplan-21-konformen Unterricht. Darin sollten ja förderorientierte Feedbacks, Lern- oder Kompetenznachweise und auch Selbstbeurteilungen wichtig sein. Da sind meiner Ansicht nach automatisch korrigierte Tests allzu starr und zu anonym und deshalb eher nützlich für persönliches Training etwa von Vokablen.

R_Morgy