Disziplinarsystem

Ich unterrichte seit Januar 2009 eine nicht ganz einfache 3./4. Klasse. Als Klassenlehrer habe ich die meisten Lektionen selbst, es unterrichtet jedoch auch eine Teilpensenlehrkraft (TPL) an „meiner“ Klasse. Bis jetzt hatten wir einfach ein Disziplinarsystem, welches auf meinen Ideen und Erfahrungen basierte.
In letzter Zeit ist es nun immer öfters vorgekommen, dass ich mit den Kindern Diskussionen wegen diesem System hatte, dass ich und meine TPL dieses „Strafensystem“ nicht gleich einsetzen (obwohl ich das mit meiner TPL klar abgesprochen habe).
Die Kinder können auch die Begründung, dass jede Lehrkraft halt wieder etwas anders unterrichte und so auch unterschiedlich reagiere, nicht wirklich akzeptieren.

Nun habe ich mir für das kommende Schuljahr und die neue (auch wiederum alles andere als „einfache“) 3. Klasse überlegt, dass ich und meine TPL je ihr eigenes Disziplinarsystem haben.

Hat jemand von euch dies bezüglich schon Erfahrungen gemacht? Oder wie sind eure Meinungen dazu?

Vielen Dank für eure Inputs!

Guten Tag Mungg

Danke, dass du die Diskussion zu Disziplinarsystemen eröffnest.
Deine Anfrage beinhaltet für mich zwei grundsätzliche Fragen:

  1. Sollten Klassenlehrkräfte und Teilpensenlehrkräfte ein einheitliches Disziplinarsystem haben?
  2. Wie gut bewähren sich Strafsysteme?

Zur ersten Frage:
Die meisten Kinder sind sich gewohnt mit zwei unterschiedlichen „Disziplinarsystemen“ zu leben, da sich Vater und Mutter auch unterscheiden. Der Vorteil darin liegt, dass sie merken, dass es unterschiedliche Meinungen, Werte und Normen gibt. Für die Kinder ergeben sich dadurch auch Nischen, von denen sie schnell zu profitieren lernen. Sie gehen mit gewissen Fragen zu der Person, die die Erlaubnis erteilt.
Nachteilig kann es werden, wenn die Systeme sehr weit auseinander liegen. Da braucht es Absprachen zwischen den Erwachsenen. Es ist an ihnen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und eine gangbare Lösung zu finden und nicht an den Kindern.

Zur zweiten Frage:
Wie gut hat sich dein Strafsystem bewährt? Welches System hast du angewendet? Aus der Forschung geht hervor, dass sich vor allem die positive Verstärkung bewährt, d. h. erwünschtes Verhalten wird hervorgehoben, beachtet, belohnt. Strafen haben auf Dauer wenig bis keine Wirkung. Wichtig ist sicher auch, dass sich die Diskussion nicht nur um unerwünschtes Verhalten dreht. Sonst kriegt ein Thema, das eigentlich vom Tisch sollte, viel zu viel Aufmerksamkeit.

Wie kommen diese Überlegungen bei dir an und was denkst du, wird deine Strategie fürs kommende Jahr sein.

Mit freundlichem Gruss
Delphin

Für mich ist es zentral, wie es bie den Kindern ankommt.

Wie ich verstanden habe sind die Signale so, dass die Kinder die Unterscheidung festgestellt haben und diese andere Wirkung verstehen, begreifen wollen.

Mein Lösungsansatz:
Da es in der Klasse ein Thema ist - es in der Klasse dann offiziell zum Thema machen:

  • Wie oder durch was haben die Schüler ein Unterschied festgestellt?
  • Wie ist es bei ihnen angekommen?
    • was lösst es bei den Kindern aus?
    • was stört sie daran?
    • was sind Chancen/Gefahren Vorteile/Nachteile und für wen?
    • wo ist es für sie wichtig, dass die Lehrkräfte eine gleiche Haltung einnehmen und warum?
      Ev. Anknüpfung zum Thema Mensch - Maschinen … Individuum … Werte … Eigene Lebensgeschichte …

Es ist mir bewusst, dass es schwierig ist situativ richtig zu reagieren. Jedoch finde ich es ganz wichtig dass du solche Imputs ernst nimmst auch wenn du sagen musst, … das muss ich mir noch genau überlegen. Das Thema dann später aufgreifen.
Ideal zusammen mit der anderen Lehrperson, dies Investition lohnt sich garantiert. Wenn die Kinder einbezogen werden, dann übernehmen sie (wenn auch unbewusst) Verantwortung. Gleichzeitig wären beide Lehrkräfte auf dem gleichen Stand und merken wie sie ihre Haltung/Reaktion am Besten gewichte.

Wenn jeder Einzelne merkt, dass er/sie ernst genommen wird, dann müssten sich die extrem Sytuationen rasch deutlich bessern. Du wirst recht schnell eine entsprechende Wirkung feststellen.
In extremen Fällen werden die Kinder „das so extrem ernst genommen zu werden“ für ihre persönlichen Zwecke gebrauchen - was aber bei geschickter Steurung zusätzlich ein Erfolg sein kann, die Klasse einzubinden und zu faszinieren.
Keine Shows!

Denn nur so werden alle ihren Beitrag zu einem aktiven Mitwirken einbringen.

Voraussetzung ist jedoch, dass man sich nicht mehr immer an den Stoffplan hält und die Themen der Schüler (was sie beschäftigt, ablenkt …) auch wirklich zum Thema macht.

Für eine spätere Stufe hat sich auch ein wöchentliches Zeitfenster pro Woche Bewährt. Die Themen werden während der Woche öffentlich aufgeschrieben, die Schüler können in den pausen eigene Themen einbringen und wenn es soweit ist, wird demokratisch abgestummen welches Thema behandelt wird. Für dich ist dann immer auch eine entsprechende Priorisierung erkennbar worauf du auch wieder entsprechend reagieren kannst.

Mir ist klar, dass eine hohe Kompetenz an sozialem Verhalten gefordert ist, was die Schüler/innen zum Teil dann auch noch lernen können/müssen.
Von dir verlangt es eine hohe Flexibilität, zum Beispiel eine Pause „aus aktuellem Anlass“ in absprache mit den Schülern zu verschieben. Es lässt sich wirklich nicht alles in 45/50 Minutenblöcke erledigen.

Bin sehr gespannt, wie es bei dir weiterläuft.

Hallo zusammen,

der aktuelle BEOBACHTER setzt sich mit dem Thema „Zucht, Ordnung und Heimatkunde vs. moderne Pädagogik“ auseinander und lässt in einem Streitgespräch zur Volksschule Ulrich Schlüer gegen Beat W. Zemp antreten.

http://www.beobachter.ch/arbeit-bildung/schule/artikel/17740