Ich unterrichte derzeit an einer Erwachsenenmatur, Passerelle und normales Gymi. An derselben Schule konnte ich auch Einführungspraktikum und Praktikum absolvieren. Seit 2011 übernahm ich dort so einige Stellvertretungen und ab Sommer 2011 bin ich befristet angestellt, nachdem ich mich gegen andere Bewerber in einer Prüfungslektion durchsetzen konnte. Ein Jahr später wurde diese befristete Anstellung mit einem Ausbau des Pensums verlängert. Die PH konnte ich 2011 abschliessen, das entsprechende fachliche Studium an der Uni im Dezember 2012. Nach diesem Abschluss informierte ich meinen Rektor und er erklärte, dass wir nun schauen könnten, mich unbefristet anzustellen. Gleichzeitig stellte er noch in Aussicht, dass ich Ab Sommer 2013 vielleicht sogar das Ergänzungsfach an der Erwachsenenmatur übernehmen könne.
Mitte März wurde mir schliesslich mitgeteilt, dass die Fachschaftspräsidentin zusammen mit dem Rektor einen Unterrichtsbesuch hinsichtlich einer unbefristeten Anstellung machen würde.
Der Unterrichtsbesuch fand in der ersten Lektion einer Doppellektion statt, das Gespräch schliesslich gleich darauf, also während der Unterrichtszeit in meiner zweiten Lektion. Ich bekam die Order, die Klasse während dieser Zeit zu beschäftigen und ging nach dem Gespräch etwa in der Mitte der zweiten Lektion wieder zurück in die Klasse.
Ende März wurde mir das Resultat bekannt gegeben: Die Lektion sei ungenügend gewesen und ich müsse deshalb im Sommer die Schule verlassen.
Ich war wie versteinert und konnte es nicht glauben.
Erst jetzt mit dem Entscheid wurde mir die Kritik der Lektion mitgeteilt - ich kann also erst jetzt überhaupt Stellung dazu beziehen. Wichtigster Punkt war, dass die Lektion verzettelt gewesen sei. Ich begründete dies damit, dass ich absichtlich zwei Themen in eine ziemlich lehrerzentrierte Lektion gepackt hätte, weil ich schauen musste, dass die SuS in der zweiten Lektion wo ja das Gespräch stattfindet, auch selbständig arbeiten können. An dieser Stelle braucht es eine wichtige Anmerkung: Der Rektor hätte das Gespräch gar nicht innerhalb der Unterrichtszeit ansetzen dürfen, steht so im Reglement des Gymnasiums (übrigens betraf dies auch die Fachschaftspräsidentin, welche während dieser Zeit auch regulärer Unterricht gehabt hätte). Eine ähnliche Unterrichtssequenz hatte ich auch bereits in zwei anderen Klassen mit einer guten Resonanz unterrichtet - einfach mit dem Unterschied, dass ich schön für jedes Thema eine Lektion aufwenden konnte.
Zweiter Kritikpunkt war, dass ich nicht fähig gewesen sei, Fragen aus der Klasse zu beantworten, indem ich diese auf eine höhere Ebene bringen würde. Ich fragte nach, was darunter zu verstehen sei und bei welchen Fragen genau mir dies angeblich nicht gelungen sei. Hierauf konnten sie mir keine Rückmeldung geben.
Dritter Kritikpunkt war, dass die Lektion inhaltlich zu unpräzise sei. Merkwürdig dabei ist, dass ich genau dieses Thema in der Fachdidaktik der PH bearbeitet habe und es für gut befunden wurde. Auch im Praktikum hatte ich eine Unterrichtssequenz, wo ich es genauso gemacht habe und auch dort wurde dafür gelobt. Jetzt soll auf einmal alles falsch sein?
Hinzu kommt, dass sie Aussagen von mir verfälschten wie beispielsweise, dass die Vorbereitungen an der Erwachsenenmatur viel weniger zeitintensiv seien als am normalen Gymi. Das Gegenteil war der Fall. Der Aufwand am Erwachsenengymi ist massiv grösser als am normalen Gymi - schon nur weil man als Lehrperson vor Erwachsenen steht und wirklich sehr gut vorbereit sein will!
Beim ersten Treffen mit dem Rektor machten wir ein zweites Treffen aus, da ich nach Meinung des Rektors dann „weniger emotional“ sei. Ich darf ehrlich sagen, dass ich jederzeit ruhig und höflich blieb. Zwischen dem ersten und zweiten Gespräch schrieb ich eine Mail an den Rektor, worin ich schrieb, dass es mir (und dies stimmt wirklich!) nicht klar gewesen sei, dass einfach nur diese 45 Minuten über meine weitere Existenz entscheiden würden. Als Junglehrer darf ich sagen, dass das Gymi bereits zu meinem „zu Hause“ wurde. Ich betonte im Mail zudem all die guten Leistungen, welche ich in dieser Zeit geleistet hatte, betonte die Stellvertretungen mit entsprechend guten Rückmeldungen aus den Klassen und den vertretenen Lehrpersonen. Ich bat nun darum, dies alles auch mit zu berücksichtigen und mir eine zweite Chance in Form eines weiteren Unterrichtsbesuchs einzuräumen oder meine befristete Anstellung einfach zu verlängern, womit sich der Rektor ja immer noch alle Möglichkeiten offen liesse.
Beim zweiten Gespräch gab mir der Rektor hauptsächlich Rückmeldung über die Lektion. Er zeigte aber auch Verständnis für meine erwähnten Punkte im Mail und sagte, dass er diesen „Fall“ nochmals in die Rektorenkonferenz bringen werden - er alleine könne daran nichts ändern.
Erst beim dritten Gespräch anfangs April wurde der definitive Entschied bekannt gegeben. Es bleibt dabei.
Ich fühle mich wirklich unmenschlich und ungerecht behandelt und sollte unter diesen Umständen auch noch bis im Sommer unterrichten…
Meine Frage ist, was ihr mir in dieser Situation ratet. Am 22. April geht der Unterricht wieder los und ich weiss wirklich nicht mehr weiter, stelle meine Berufswahl an sich in Frage und fühle mich gebrochen.
Der Unterrichtsbesuch erfolgte meiner Meinung nach auch zu spät. Ich habe bereits jedes einzelne Gymnasium im Kanton Bern und in Solothurn angerufen, doch die haben bereits alle Lektionen fürs nächste Schuljahr vergeben. Faktisch bin ich somit ab Sommer arbeitslos…