Ein Schüler aus meiner 4. Klasse äusserte im Unterricht, dass „Textiles Gestalten etwas für Mädchen“ sei und dass ihm das Fach deshalb sowieso keinen Spass machen könne.
Ich habe nachgefragt, warum er das denkt, worauf er lediglich antwortete: „Das ist ja klar.“ Auch bei weiterem Nachfragen blieb er eher oberflächlich und wich konkreten Antworten aus.
Daraufhin erklärte ich ihm, dass Interessen nichts mit dem Geschlecht zu tun haben und dass es z. B. für alle Menschen wichtig sein kann, einen Knopf annähen zu können – unabhängig davon, wer das sonst vielleicht im Alltag übernimmt. Er meinte darauf, dass das bei ihm zu Hause eben seine Mutter mache. Ich entgegnete, dass das nicht immer so bleiben müsse und dass Selbstständigkeit in solchen Bereichen wichtig sei.
Ich hatte jedoch das Gefühl, dass das Gespräch keine wirkliche Tiefe erreicht hat – der Schüler ging nicht ernsthaft auf meine Argumente ein, und das Thema schien für ihn schnell abgehakt.
Meine Fragen an euch im Forum:
Sollte ich dieses Thema – Geschlechterrollen und Vorurteile gegenüber bestimmten Fächern – in der Klasse aufgreifen? Wenn ja, wie könnte ich das altersgerecht und wirkungsvoll gestalten?
Oder wäre es sinnvoller, nochmals das persönliche Gespräch mit dem Schüler zu suchen?
Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen und Erfahrungen!
Liebe Katrin
Du könntest das Thema etwas allgemeiner in deinem Fachunterricht betrachten. Hierfür würde sich beispielsweise eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Berufsfeldern und Geschlechterrollen eignen. Oder die Erkundungsfrage, welche unterschiedlichen Berufe es beispielsweise in der Textilwissenschaft- und -forschung gibt (wie beispielsweise Laborant*in, etc.).
Auch eine Auseinandersetzung mit dem Trend «Männer, die stricken» ist spannend. Hier lässt sich der Frage nachgehen, woraus sich die heutigen – in der Textilgeschichte oft eher jungen - Geschlechterrollen entwickelt haben. Früher gab es beispielsweise den Männerberuf des Schneiders, angesehene Strickzünfte, die lediglich Männern vorenthalten waren, etc. Weshalb sind noch heute vielen Textildesigner Männer? Welche Entwicklungen hinsichtlich Geschlechterrollen sind aktuell in unserer Kultur zu erkennen, wohin werden sich diese zukünftig entwickeln und welche werden wohl neu dazukommen?
Auch ist spannend über die unterschiedlichen Themenfelder im Lehrplan das Interesse der Schüler*innen für die jeweiligen Fachbereiche des TTGs zu wecken. Beispielsweise Elektrizität im Textilen Gestalten – einen Stromkreis nähen und so ein textiles Objekt zum Leuchten zu bringen. Oder das Thema von Schutzbekleidung bei technischen Tätigkeiten, Forschung zu Funktionskleidung und Textilinnovationen.
Es können auch Objekte hergestellt werden, welche textile und technische Anteile beinhalten. So wird nicht mehr zwischen den beiden Fachbereichen unterschieden.
Wenn dich diese Themen interessieren, dann findest du auf der Weiterbildungswebseite entsprechende Weiterbildungskurse (https://www.phbern.ch/suche?keys=123Gestalten) oder du kannst dich auch für ein Unterrichtscoaching (Unterrichtscoaching Volksschule | PHBern) anmelden, wo wir weitere Ideen generieren und/oder konkrete Umsetzungen für deinen Unterricht planen können.
Liebe Grüsse, Ges.FachteamIWD
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Liebe Katrin
Auf der Webseite der PHBern Mediothek findest du das digitale «IdeenSet Arbeitswelt entdecken», aufbereitet für den 1. + 2. Zyklus. Darin enthalten sind Medienempfehlungen, Hintergrundinformationen, ein Lernarrangement zu Berufen im Wandel und vieles mehr.
Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf nicht-stereotype Berufsbilder gelegt.
Die Mediothek führt zudem einige Medien, welche die Geschlechterrollen hinterfragen (Standort erg 5.2). Folgender Titel könnte sich für einen Einstieg ins Thema eignen: Standpunktkarten – Typisch männlich, typisch weiblich?
Interessant wäre sicher zu hören, wie die Mädchen in seiner Klasse auf diese Aussage reagieren 
Liebe Grüsse, Bibliobiene
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