Guten Abend Chamäleon,
Soziale Kompetenzen, ein spannendes Themenfeld, nicht nur, aber natürlich in besonderer Weise im Zusammenhang mit Autismus.
Was ist ein `Social Skills Assessment‘? Dabei geht es um die Erfassung der sozialen Fähigkeiten von Menschen mit Autismus. Dies als Grundlage der Entwicklung von Angeboten zur Förderung sozialer Kompetenzen. Es erfasst insgesamt 9 Bereiche sozialer Fähigkeiten, darunter z.B.: Blickverhalten, Teilen und Kooperieren sowie Abwechseln.
Entwickelt wurde das Assessment in der Division (Abteilung) TEACCH in den USA, die Dir ja offensichtlich bestens bekannt ist. Anne Häussler hat das Erfassungssystem ins Deutsche übersetzt und bearbeitet. Diese deutsche Version findest du in folgender Publikation: Häussler, Anne; Happel, Christina; Tuckermann, Antje; Altgassen, Mareike; Adl-Amini, Katja (2008). SOKO Autismus. Gruppenangebote zur Förderung SOzialer KOmpetenzen bei Menschen mit AUTISMUS – Erfahrungsbericht und Praxishilfe (2. Aufl.). Dortmund: verlag modernes lernen, S. 220ff.
Wie Du dem Titel der Veröffentlichung entnehmen kannst, beinhaltet sie neben dem Erfassungsinstrument eine grosse Fülle praktischer Ideen zur Unterstützung der Weiterentwicklung sozialer Kompetenzen bei Menschen mit Autismus. Du triffst hier also auf eine weitere Komponente des TEACCH-Ansatzes, neben dem sog. `Structured Teaching‘.
Du hast nach weiteren anregenden Quellen zum Themenkomplex Sozialkompetenz gefragt. Da wären in erster Linie die Social Stories‘ und die
Comic Strip Conversation‘ zu nennen. Beide Ansätze wurden von Carol Gray entwickelt.
Worum geht es dabei:
Social Stories‘ sind soziale Lerngeschichten, die für Menschen mit Autismus undurchschaubar erscheinende soziale Zusammenhänge in einer kurzen Geschichte, die nach bestimmten Prinzipien abgefasst ist, prägnant erläutern und die zudem Verhaltensmöglichkeiten aufzeigen. Du kannst sie Dir ein wenig wie Spielregeln für den zwischenmenschlichen Austausch vorstellen. Das dazugehörige Buch: Gray, Carol; Leigh White, Abbie (2003). My Social Stories Book. London/New York: Jessica Kingsley Publishers
Comic strip conversation‘ zielt darauf ab, das erfolgreiche Führen einer Konversation (ohne Blickkontakt) zu ermöglichen. Hier zeichnet die Person mit Autismus eine Art Comic und folgt dabei folgenden Leitfragen, die das Gegenüber stellt:
• Wo bist du?
• Was machst du?
• Was ist passiert – Was haben die anderen gemacht?
• Was hast du gesagt? (Sprechblase)
• Was haben die anderen gesagt? (Sprechblase)
• Was dachtest Du, als du das gesagt hast? (Denkblase)
• Was haben die anderen deiner Meinung nach gedacht, als sie das gesagt haben? (Denkblase)
Du siehst, hier geht es wesentlich darum, die Ausbildung der sog. Theory of mind zu unterstützen. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich in andere hineinzuversetzen und ausgehend davon, ihr Handeln zu interpretieren und die Wirkung des eigenen Tuns abzuschätzen.
Das dazugehörige Buch: Gray, Carol(1994) Comic Strip Conversations (weitere Angabe kann ich Dir jetzt leider nicht machen, Du findest das Buch aber problemlos im Internet).
Nun bin ich gespannt, ob Dir diese Impulse weiterhelfen und welche Erfahrungen Du beim Ausprobieren machst. Ich wünsche Dir auf jeden Fall gutes Gelingen.
Liebe Grüsse
Adhei