Liebe nadinska
Prüfungsängste kennen nicht nur starke Schülerinnen und Schüler – und auch Erwachsene kämpfen hin und wieder damit. Diesem Thema bin ich in meiner Zeit als Lehrperson wie auch heute als Berater mehrmals begegnet. Gerne schreibe ich einige Gedanken dazu auf.
Erst einmal: Wunderbar, dass Sie das Thema mit den Eltern und der Schülerin angehen wollen und sich Zeit nehmen, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Im Internet finden Sie sehr viele Beiträge zum Thema „Prüfungsangst“.
Prüfungsängste können schleichend entstehen oder aber nach einem schwierigen Erlebnis von einem Tag auf den anderen da sein. Sie können verschiedene Hintergründe haben. So zum Beispiel kann ein leistungsorientiertes Zuhause mit zu hohen Erwartungen Druck auf ein Kind ausüben. Es kann auch sein, dass sich das Kind zu hohe Ziele setzt und sich so selber unter Druck setzen kann. Ich habe selber ein Kind erlebt, das nicht in die Sek wollte und deshalb so tat, als ob es Ängste habe und damit die schlechten Leistungen erklären konnte.
Spannend könnte sein, wenn Sie am Elterngespräch das Kind selber fragen würden, was es brauchen könnte, damit es die Prüfungen gelassener und ruhig angehen könnte. Was könnten die Eltern anders machen, was Sie als Lehrperson? Welche Hilfestellungen würden dem Kind ein bisschen helfen, welche wären eine grosse Unterstützung? Ich war als Lehrer (und auch als Vater) immer wieder beeindruckt, was die Kinder alles eigentlich selber wissen – wenn wir sie nur danach fragen!
Manchmal hilft auch eine paradoxe Fragestellung: Angenommen, wir möchten deine Prüfungsangst noch verstärken, was müssten deine Eltern machen, was ich als Lehrperson, was die Klasse?
Oft hängen Prüfungsängste mit den düsteren Bildern im Kopf zusammen. Die Betroffenen malen sich eine Szene aus, in der sie versagen, nicht weiter wissen, bereits die schlechte Note vor sich sehen und so weiter. Vielleicht helfen die Eltern mit, mit dem Mädchen zusammen am Abend vor der Prüfung einen schönen inneren Film zu drehen. Sie sieht sich gestärkt in die Schule gehen, ihre kleine Katze (oder ihre Lieblingsmärchenfigur) sitzt ihr auf der Schulter und flüstert stärkende Sätze ins Ohr (du hast gut gelernt, du kannst die Fragen beantworten, du atmest ruhig in den Bauch – oder so ähnlich), sie arbeitet konzentriert und im Fluss an der Prüfung und geht freudig nach Hause, um der Mutter zu erzählen, dass es ihr heute gelungen ist… Auf dem Schulweg soll sie dann immer wieder diesen Film anschauen.
Wenn diese Gespräche nicht weiter helfen, könnte es sinnvoll sein, eine externe Hilfe zu holen. Sei das auf der Erziehungsberatung oder mit einer anderen Beratung oder Therapie. Ich habe gute Erfahrung mit Kinesiologie und NLP gemacht – wobei sicher nicht alle Eltern diese Art Unterstützung schätzen.
Nun bin ich gespannt zu lesen, welche Erfahrung Sie machen werden und auch, wie andere Lehrpersonen mit diesem Thema umgegangen sind.
Mit freundlichen Grüssen
Kashgar