Hallo
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leserinnen und Leser nun den Kopf schütteln werden wegen meines Problems. Ich leide unter einer SL-Phobie (ich finde keinen passenden anderen Ausdruck).
Ich bin seit elf Jahren Lehrerin und bin vielen inkompetenten SL begegnet, drei davon haben sich negativ in meine Seele gebrannt.
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Fall: Direkt nach meiner Ausbildung zur Seklehrerin phil. II bekam ich eine Stelle als 3. KK-Klassenlehrerin. (Die K hatte vorher schon 4 LP „verheizt“.) Ich war damals nach meiner Ausbildung so enthusiastisch und optimistisch, den Kopf voller Ideen, dass ich es mir zutraute, diese K zu übernehmen. Schnell merkte ich, dass ich dort ohne jegliche Berufserfahrung fehl am Platz war. Ich hatte jeweils zweimal pro Woche die Polizei im Schulzimmer, die einzelne S abholte. Mehrmals wandte ich mich an die SL, ich erhielt jedoch keine Hilfe, nicht mal ein Mentorat. Nach 9 Monaten konnte ich nicht mehr und bin auf der Lehrerberatungsstelle weinend zusammengebrochen. Dieser missglückte Berufseinstieg hat mich schwer zurückgeworfen.
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Fall: Vier Jahre später war ich in einer anderen Schulgemeinde tätig. Privat steckte ich in einer sehr schwierigen Beziehung, die in häuslicher Gewalt endete. Als ich mich der SL anvertraute, wurde ich am nächsten Tag fristlos freigestellt mit der Begründung: Sorry, aber so jemanden wie dich können wir in unserer (braven) Schulgemeinde nicht brauchen… Es wurde sogar gefordert, dass ich nachts das Schulzimmer räume!
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Fall: Extremes Mobbing durch die Schulleiterin, weil ich mich im Gegensatz zum Kollegium weigerte, mich ihrer „Diktatur“ zu unterwerfen. Über die Presse erfuhr ich, dass diese Person bereits an anderen Schulen grosses Unheil angerichtet hatte und traf so auch LP, die wegen ihr viele Jahre in Psychotherapie waren. Heute ist sie zum Glück nicht mehr im Schuldienst tätig, hat Berufsverbot erhalten.
Nun habe ich seit mehr als einem Jahr den „perfekten SL“: sehr menschlich, sehr führungsstark, extrem kompetent, etc. Aber selbst nach dieser Zeit gelingt es mir nicht, mich zu öffnen und Vertrauen zu fassen. Hospitationen durch die SL lassen mich Tage vorher nicht mehr schlafen, in wenigen Monaten steht auch eine SLQ an.
Eine kleine Kritik der SL bringt mich völlig aus dem Konzept, so dass ich mich selber in Frage stelle, dabei ist sie doch wohlwollend und als gut gemeinter Ratschlag gemeint.
Was kann ich nur tun, um mich ihm gegenüber zu öffnen? Ich glaube nicht, dass ich den Mut habe, mit ihm offen darüber zu sprechen. Sicher wird er sagen, dass meine negativen Erlebnisse Jahre zurückliegen und ich schon längst darüber hinweg sein sollte.
Trotzdem muss ich etwas dagegen tun, denn ich stehe mir durch mein Misstrauen und meine Angst im Berufsalltag selbst im Wege.
Mit liebem Gruss
Calimero