Ich bin Klassenlehrer einer 1.-3. Klasse und unterrichte zudem meine Drittklässler und die Viertklässler der 4.-6. Klasse im Fach Französisch.
Ich habe es bisher immer so gehandhabt, dass ich die summativen Lernstandsermittlungen sowohl der Dritt- wie auch die Viertklässler benotet habe - wobei die der Drittklässler nicht eingang ins Zeugniss fanden - mit dem Ziel, dass die Drittklässler, die nach der dritten Klasse in die 4.-6. Klasse wechseln, wo „ab dem ersten Tag“ benotet wird, nicht ins kalte Wasser fallen und sich schon etwas daran gewöhnen können an das Feedback via Note. Dies wurde bisher geschätzt und auch gewünscht.
In der aktuellen dritten Klasse ist es aber nun wiederholt vorgekommen, dass sich Eltern die Freiheit genommen haben, entweder direkt auf die Tests zu schreiben, dass ihr Kind z.B. min. 3-4 Punkte mehr verdient hätte und bei den jeweiligen Aufgaben dazu geschrieben haben, warum sie im konkreten Fall mehr Punkte geben würden (z.B. mit Kommentaren wie „es ist doch nicht ganz falsch…“, oder „das steht im Buch auf S. 21“ - wobei die Antwort entweder nicht falscher hätte sein können bzw. nichts anderes als eine „Auswahlsendung“ war nach dem Motto „ich schreibe einfach mal alles hin und die Lehrperson filtert dann einfach das heraus, was stimmt und belohnt mich dann dafür mit den entsprechenden Punkten“, wobei dieser „Tipp“ von den Eltern stammt), den Lösungsschlüssel zum Test verlangt haben oder zuerst ihr Kind mit dem Test und dem Kommentar „d Mama het gseit, da stimmt öpis nid, i sött min. es vieri für dä Test übercho“ zu mir geschickt haben und mir später geschrieben haben, dass sie wissen möchten, welchen Massstab ich für die Beurteilung anwende, da sie festgestellt hätten, dass von Test zu Test die Punktezahl jeweils unterschiedlich sei (Anmerkung: bei einem einfachen Test ist es durchausmöglich, dass die maximale Punktzahl „nur“ 16 beträgt, bei komplexeren Tests, die mehrere Kompetenzen betreffen und umfangreicher sind, die max. Punktzahl durchaus auch bei 40 liegen kann, da es mir wichtig ist, auch innerhalb des Tests Schwerpunkte zu setzen und je nach Schwierigkeitsgrad differenzieren zu können. Leider sehen die betreffenden Eltern nicht ein, dass es nicht Sinn macht, jeden Test gleich zu beurteilen bzw. macht es ihnen offensichtlich Mühe, nun Ende 3. Klasse schwarz auf weiss zu sehen, dass ihr Kind - so wie dies in etlichen Elterngesprächen zuvor schon thematisiert wurde - nicht die von ihnen erhofften Fortschritte gemacht hat.) Wohlgemerkt, bei den betreffenden Eltern handelt es sich nicht um ausgebildete Lehrpersonen, sondern um Personen, die - abgesehen von ihrer eigenen Schulzeit, die nun doch schon einige Jahre zurück liegt - bisher keinen Fuss in die Schule gesetzt haben und mehrheitlich Hausfrauen sind. Diese Kritik, wie ich sie mit der aktuellen 3. Klasse erlebe, habe ich noch nie zuvor erlebt. Da ich diese Einmischung der Eltern als ziehmlich mühsam empfinde, da sich dadurch die SuS ungerecht behandelt fühlen und dies wiederum grossen Einfluss auf die Lernmotivation hat (kein Wunder, wenn die Mama und das Grosi sagen, sie hätten eigentlich eine höhere Punktzahl verdient, wenn da nicht der Lehrer im Wege stünde) und ich kein Interessa habe, mich ständig mit solchen Nachrichten befassen zu müssen, da ich meinen Fokus und meine Energie lieber auf die konstruktive Zusammenarbeit mit den Eltern lege, möchte ich dem Ganzen definitiv einen Riegel schieben. In Zukunft, werde ich daher die summativen Tests der Drittklässler nicht mehr mit einer Note versehen, sondern - wenn überhaupt - nur noch die Punktzahl auf die jeweiligen Tests schreiben.
Meine Frage: Da ich eh keine Note mehr auf die Tests schreibe, könnte ich im gleichen Zug auch die Punktzahl weglassen und die Tests „nur“ noch korrigieren, ohne konkrete Punkte zu vergeben? (Anmerkung: Ich bespreche die Test mit den SuS jeweils im Nachgang, damit jeder/jede weiss, was anders hätte gemacht werden sollen) Die Tests dienen ja gleichwohl einer Rückmeldung zum aktuellen Lernstand, nur wäre dann die Diskussion über Noten und über Punkte aus der Welt geschaffen und es könnte keine Diskussionenen mehr darüber geben, wie viele Punkte nun tatsächlich vergeben wurden. Zudem wäre es, meiner Ansicht nach, ein Zeichen gegenüber den betreffenden Eltern, dass die Noten- und Punktevergabe in der 3. Klasse eine freiwillige Dienstleistung der Lehrperson waren, die nun - nach diesen Diskussionen - nicht mehr angeboten wird und in der Konsequenz wieder (wie bei den Lehrpersonen vor mir, die weder Tests gemacht haben, noch Punkte oder Noten vergeben haben) der „Sprung ins kalte Noten-Wasser“ in der 4. Klasse folgt (den ich den SuS lieber erspart hätte).
Persönlich habe ich solche Einmischungen durch die Eltern noch nie erlebt und bin auch nicht gewillt diese weiter hinzunehmen.
Nun bin ich gespannt auf die Rückmeldungen und Erfahrung anderer.