Hallo Zusammen
Ich brauche dringend eure Hilfe! Ich bin zur Zeit Praktikantin und werde bald mein erstes Blockpraktikum absolvieren. Mir wurde für den Deutschunterricht das Thema „ie oder i“ zugeteilt. Gerade, wenn wir das Unterrichtsthema beginnen, kommt eine aussenstehende Person, um mich zu bewerten. Mein Einstieg zu diesem Thema sollte also bombastisch sein! Ich habe bereits eine ganze Werkstatt vorbereitet, aber der passende Einstieg fehlt leider. Meine Frage an euch wäre, ob Ihr mir helfen könntet eine super Idee für den Einstieg zu finden. Ich bin für alles offen und lerne gerne etwas Neues!
Ich bedanke mich schon im Voraus recht herzlich!!!
Liebe Sonne123
Als ehemaliger Lehrer und Praktikumsbegleiter und vor allem aus meiner heutigen Erfahrung als Berater für Lehrpersonen möchte ich dir einige Gedanken zu deiner Frage mitgeben. Nicht in Bezug auf deine methodische Einstiegsfrage, sondern viel mehr auf die Beweggründe, die dich zu dieser Frage geführt haben könnten.
Du suchst einen BOMBASTISCHEN Einstieg, eine SUPER Idee dazu… Immer wieder erlebe ich in der Beratung, dass eigene Erwartungen und eigene Idealvorstellungen einem das Leben schwer machen. Diese zu erfüllen braucht viel Zeit, so viel, dass für die Regeneration wenig oder keine Zeit mehr übrig bleibt.
Niemand verlangt von dir, dass du bombastisch unterrichtest, dass du die Kinder mit super Ideen motivieren kannst. Die Note 6 ist nicht die einzige Note, die genügend ist und dir den Abschluss ermöglicht. Lerne lieber jetzt schon, deine Erwartungen zu reduzieren, deine Messlatte herunterzusetzen, statt dich noch lange abzumühen, um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen…
Natürlich wünsche ich dir auch, dass du auf diesem Weg hilfreiche Ideen erhalten wirst, Ideen, die die Kinder ans Thema heranführen werden. Und ich wünsche dir ein gutes Gelingen deines Blockpraktikums.
Du suchst nach einem „bombastischen“ Einstieg in das Rechtschreibthema «ie» oder «i», und zwar dringend! Weshalb? Du bist Praktikantin, wirst bald im Unterricht besucht und erhoffst dir eine möglichst gute Bewertung.
Ich antworte dir zunächst mit einigen Fragen: Was steht im Fokus guten Unterrichts – der Erfolg der Lehrperson oder das Lernen der Schülerinnen und Schüler? Wann ist Unterricht „bombastisch“ – wenn die Lehrperson brilliert, oder wenn sie Unterricht so arrangiert, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern Lernfortschritte ermöglicht?
Nun aber zum Kern deiner Frage: Sofern es sich um eine Einstiegslektion handelt, würde ich von der Faustregel ausgehen, die da lautet: Ein lang gesprochenes «i» wird als «ie» geschrieben: viel, Spiel, Tier, Liebe, sieben … Warum nicht über das Gehör einsteigen? Du lässt die Schülerinnen und Schüler «ie»-Wörter hören und sie die Gemeinsamkeit dieser Wörter erkennen. Dann vom Ohr übers Auge: In einem Text nach «ie»-Wörtern suchen (anstreichen, herausschreiben lassen).
Die Faustregel: „Für einen lang gesprochenen i-Laut schreibt man «ie»“ weist drauf hin, dass es neben dem lang gesprochenen i-Laut auch ein kurz gesprochenes «i» gibt. Vielen Schülerinnen und Schülern bereitet es Mühe, das lang gesprochene vom kurz gesprochenen «i» zu unterscheiden. Deshalb sind eine Reihe von Übungen darauf angelegt, Wörter mit lang gesprochenem von solchen mit kurz gesprochenem «i» zu unterscheiden. Das kann u.a. durch Sortierengeschehen – auch hier wieder: zuerst übers Ohr, dann übers Auge. Eine solche Übung habe ich im Netz gefunden, welche als Beispiel anhänge. Sicher wirst du auch in den einschlägigen Deutschlehrmitteln fündig, oder es steht dir jemand aus dem Kollegium mit einer bewährten Übung zur Seite.
Bekanntlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Das trifft auch auf die ie-Regel zu: mir, du gibst, ihn, Igel … Diese Wörter weichen von der Regel ab und müssen gelernt werden (Lernwörter). Um Verwirrung zu vermeiden, würde ich die Ausnahmen erst thematisieren, nachdem die Schülerinnen und Schüler die ie-Regel kennen gelernt haben, sie diese sicher anwenden und zwischen Wörtern mit lang gesprochenem und kurz gesprochenen «i» unterscheiden können.
Wenn du dir diese paar Grundsätze durch den Kopf gehen lässt und sie für deine Schülerinnen und Schüler ansprechend und verständlich umsetzt, dürften die Weichen für eine gute Bewertung deiner Lektion richtig gestellt sein.
Sandmann
Ich hoffe, dass dich die Antwort von Kashgar darin bestärkt, die Höhe deiner Messlatte zu überdenken. Ich mache das immer wieder.
Zu deiner Anfrage: Du hast bereits gute Tipps zum Einstieg erhalten. Einfach soviel: Allzu bombastisch sollte der Einstieg nicht sein, damit „der Rest“ nicht zu sehr abfällt ; -)
Allgemein zu dieser Rechtschreibregel: Ich habe i und ie gerade behandelt. Beim Vorbereiten habe ich mich gefragt, warum dieser Regel eine derartige Bedeutung im Jahresplan eingeräumt wird. Schliesslich habe ich meine Planung überdacht und die Lerninhalte gekürzt, um fürs Erlangen anderer wichtiger Kompetenzen mehr Raum zu schaffen. Ob ein Wort mit i oder ie geschrieben wird, ist nicht wesentlich fürs Verständnis des Wortes und des Kontextes.
Alles Gute für dein Praktikum wünscht dir
Rosmarin
Falls es nicht schon zu spät ist:
Wecke die Neugierde deiner Schüler und stelle einfache Rätsel („Es tobt uns um die Ohren, zerzaust uns die Haare, wir können Drachen fliegen lassen…“) . Die Antworten sind i/ie Wörter. Ein Kind schreibt das Wort an die Tafel. Die Diskussion um i oder ie erfolgt von selber… Meine Schüler wollten sofort selber weitere Rätsel erfinden. Du kannst sie immer wieder aufgreifen und in den Unterricht einstreuen. Viel Vergnügen!