Vor einem Jahr habe ich die Ausbildung an der PHBern abgeschlossen und unterrichte nun in einer ländlichen Gegend an einer 5. Klasse.
Wenn meine Schülerinnen und Schüler im Unterricht still für sich arbeiten und Fragen haben, handhabe ich es so, dass sie zu mir ans Pult kommen, damit ich ihnen weiterhelfen kann. Ich habe mit meiner Klasse abgemacht, dass jeweils maximal 3 Kinder beim mir am Pult anstehen dürfen, damit sie nicht zu lange warten müssen und Arbeitszeit verloren geht. Nun ist es jedoch so, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mehr konzentriert weiter arbeiten, sondern am Platz darauf warten, bis sie zu mir ans Pult kommen können. Dies finde ich nicht ideal, da sie so die Unterrichtszeit nicht sinnvoll zum Arbeiten nutzen.
Ich habe auch bereits eine Liste an der Wandtafel geführt. Wer Hilfe benötigt, soll sich eintragen und dann arbeite ich die Liste von oben nach unten ab.
Gerne hätte ich von anderen Lehrkräften weitere Tipps, welche erfolgreichen Methoden sie in solchen Situationen anwenden.
Ich finde es sehr wichtig und auch richtig, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zu lange anstehen sollen!
Im Verlauf der Jahre habe ich Verschiedenes ausprobiert und habe erfahren, dass es je nach Klasse unterschiedliche Lösungsansätze braucht. Daher denke ich auch, dass das Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten sehr wichtig ist! Hilfreich kann auch sein, mit den Schülerinnen und den Schülern über die Qualität der Methoden nachzudenken, sie mitbestimmen zu lassen und sie aufzufordern, eigene kreative und erfolgreiche Ideen beizusteuern.
Folgende Methoden habe ich unter anderem angewandt:
Die Schülerinnen und Schüler kommen nicht zu mir ans Pult, sondern ich als Lehrperson gehe zu ihnen an den Platz. Bei Fragen halten die Kinder die Hand hoch. (Dies funktionierte bei einer eher lebendigen Klasse sehr gut!)
Beim meinem Pult hängt eine Schlange aus Karton oder Stoff. Jede Schülerin und jeder Schüler hat eine Wäscheklammer, welche ihren/seinen Namen trägt. Haben die Kinder Fragen, stecken sie das Klämmerli, von oben her beginnend, an diese Schlange. Ich rufe die Kinder dann in der entsprechenden Reihenfolge zu mir ans Pult.
Die Kinder haben bei sich am Platz zwei Karten, welche sie aufstellen können. Eine Karte hat ein Fragezeichen drauf, die andere ein Ausrufezeichen. Das Fragezeichen bedeutet, dass die Kinder Unterstützung benötigen; das Ausrufezeichen, dass sie die Aufgaben verstanden haben und diese auch erklären könnten. Je nach Klasse machte ich es so, dass ich bei den Kindern mit dem Fragezeichen vorbei ging und sie unterstützte. Bei einer anderen Klasse machte ich es manchmal auch so, dass sich die Kinder, welche Unterstützung benötigten, auch an jene Kinder mit der Ausrufezeichen-Karte wenden konnten. Der Aufbau eines Unterstützungssystems unter den Schülerinnen und Schülern der Klasse ist also ebenso ein wichtiger Aspekt wie meine eigene Hilfe.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Kinder auch Strategien aneignen, die ihnen helfen, sich selber zu helfen. Unter dem Stichwort „eigenständiges Lernen“ finden sich in den neuen NMM und Deutsch-Lehrmitteln viele praktische Hinweise (auch im Kommentar).