Vielen Dank für Deinen Beitrag, es war spannend darüber nachzudenken.
Es gibt sicherlich einige Punkte zu klären. Zunächst einmal handelt es sich beim R-FIT gar nicht um einen Test der Rechtschreibkompetenzen, sondern um einen Test der Fähigkeit zur Fehleridentifikation. Die Kinder lesen einen Text (99 Wörter lang), in dem verschiedene Fehler (Buchstabe zu viel, Buchstabe falsch, Buchstabe zu wenig) eingebaut sind. Die Kinder müssen diese Fehler entdecken und markieren.
Dieser Test funktioniert damit grundsätzlich anders als ein SLRT oder die Hamburger Schreibprobe. Bei den beiden genannten Tests müssen tatsächlich Wörter geschrieben und dabei möglichst die korrekte Schreibweise umgesetzt werden. Das ist beim R-FIT nicht der Fall, hier müssen die Schreibweisen nicht aktiv abgerufen, sondern nur als falsch erkannt werden (im Manual ist die Rede von «Fehlersensibilität und Rechtschreibgespür»). Tatsächlich hat diese Art von Test auch viel mit Lesen zu tun, denn ich muss in erster Linie auch genau und fehlerfrei lesen können, um mir genügend sicher sein zu können, dass ein Wort falsch geschrieben ist. Auf Englisch werden diese Tests daher auch als «Proofreading»-Tests (Korrekturlesen) benannt. Anscheinend korrelieren die Fähigkeiten im Bereich der Fehleridentifikation aber hoch mit den tatsächlichen Rechtschreibleistungen, weswegen hier entsprechende Interpretationen gemacht werden. Im Manual heißt dies «Schätzung der allgemeinen Rechtschreibkompetenz» - es bleibt aber eine Schätzung, keine Erfassung.
In den Testwörtern werden folgende Rechtschreibphänomene überprüft: Doppelkonsonanz, Lautverwechslung tz, i-Dehnung, Dehnungs-h, Lautverwechslung ä, Diphtong äu, Auslautverhärtung d, Auslautverhärtung b, Auslautverhärtung g, Anfangsmorphem ent, Anfangsmorphem vor/ver, Lautverwechslung v, langer Vokal i, ß-Schreibung, ts-Schreibung, Dass, Großschreibung. Bei der Überprüfung vom ß fällt bereits deutlich auf, dass sich dieser Test an die Konventionen aus Deutschland hält. Das gilt auch dahingehend, dass hier Rechtschreibphänomene ausgesucht wurden, die in Deutschland typischerweise in der 5., 6. und 7. Klasse thematisiert werden. Dies kann aber nicht 1:1 auf die Schweiz übertragen werden.
Der Test an sich ist gut handhabbar, ökonomisch in der Durchführung (5 Minuten) und Auswertung (5 Minuten), sauber entwickelt und gut überprüft und ermöglicht daher eine schnelle Einschätzung der Rechtschreibkompetenzen (aber eben nur das – eine Einschätzung). Von daher würde ich davon absehen, den R-FIT als Ersatz für den SLRT zu sehen. Sie erfüllen unterschiedliche diagnostische Zwecke.
Ich hoffe, diese Antwort verhilft zu etwas Klarheit in der Angelegenheit.
Liebe Grüße!