Wir haben einen Schüler, der die Grundansprüche 2. Klasse sowohl in Math. als auch De nicht erreichen wird - ausserdem wiederholt er die Klasse 2 jetzt auch schon….individuelle Lernziele zeichnen sich ab für Klasse 3. Wie soll ich vorgehen? In Zusammenarbeit mit der KLP die Lernziele für das Kind festlegen, z.B. bei Lernkontrollen, oder soll ich schon eine “offizielle” Anpassung mit dem Lernplan und offiziellem Formular machen? Ich merke, in der Praxis wird noch schnell von “diese Kind braucht riLz” etc. gesprochen. Und das braucht das Kind dann schon, aber wie konkret ist das Vorgehen in Klasse 3? Kann da eine innere Differenzierung plus differnzierte Aufgaben ausreichen?
Danke für deine Frage. Um genau beurteilen zu können, ob der Junge in der 3. Klasse rILZ braucht, müsstest du gegen Ende der 2. Klasse eine Lernstandserfassung machen. Wenn sich da zeigen sollte, dass grundlegendes Wissen fehlt, so dass der Junge am 3. Klass-Stoff nicht anknüpfen kann, dann braucht es ILZ.
Im Deutschunterricht ist es oft länger möglich, Kinder mit innerer Differenzierung zu unterrichten. Texte zum Lesen können vereinfacht oder gekürzt werden, die Anforderungen an das Schreiben von eigenen Texten können reduziert werden.
In der Mathematik ist es schwieriger, weil hier der Schulstoff insb. in der Arithmetik einem klaren Aufbau folgt. Ist ein Baustein nicht erworben bzw. ein Element nicht verstanden worden, ist das Weiterlernen oft nicht mehr möglich. Ich würde dir empfehlen, im Juni den BASIS-MATH-G 2+ mit dem Jungen durchzuführen und zu schauen, inwieweit er die “Basics” der 2. Klasse erworben hat und ob eine Zahlenraumerweiterung realistisch scheint. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Junge gezielt gefördert wird, auch wenn er ILZ bekommt. Je nachdem, was die Ursache für seine Lernschwierigkeiten sind, ist auch ein Aufholen des Lernstoffes möglich, so dass er später wieder am Klassenstoff mitarbeiten kann. In der Mathematik zeigt sich, dass ein (zu) langes Warten kontraproduktiv ist und die Wissenslücken immer grösser werden. Zudem entwickeln viele Kinder ein negatives Selbstkonzept und trauen sich dann in Mathe gar nichts mehr zu.
Ich hoffe, dass dir diese Ausführungen weiterhelfen. Du kannst dich auch gern für eine Fachberatung anmelden. Dann können wir den Fall genauer besprechen.
Super, vielen Dank chicas! Genauso sehe ich das auch, aber mir geht es noch um die Formalitäten - Braucht es in der dritten Klasse das offizielle Formular, also die Verfügung, oder können wir das (noch) individuell handhaben? Was rätst du mir bezüglich offiziellem Vorgehen? Tausend Dank.
Wenn weder Eltern, noch Lehrperson, noch Schulleitung darauf bestehen bzw. wenn sie die individuelle Förderung akzeptieren, dann würde ich sagen, könnt ihr in der 3. Klasse noch ohne Formular arbeiten. Viel wichtiger ist das Erstellen einer guten Förderplanung und das Dokumentieren des Lernprozesses. Wenn sich dann zeigen sollte, dass ILZ für dieses Kind auch in der 4. Klasse noch notwendig sind, dann müsstet ihr jedoch das Formular ausfüllen, weil es nun um die Beurteilung geht.